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Delrath

Inhaltsverzeichnis

Lage

Delrath ist ein Ortsteil im Stadtgebiet der Gemeinde Dormagen und gehört zum Rhein-Kreis Neuss.

Es liegt 51 Grad und 8 Minuten nördlicher Breite und 6 Grad und 47 Minuten östlicher Länge auf dem Erdball. Delrath ist ein teilweise noch landwirtschaftlich geprägtes Dorf, das westlich hinter der Eisenbahn vom Latours- und Sülzhof begrenzt wird (amtliche Version). Früher gehörte noch der Teil bis zur ehemaligen Schreinerei Kürten zu Delrath. Seitlich auf dem Haus der ehemaligen Schreinerei Kürten war auf großem weißen Grund das Wort Nievenheim aufgemalt. Dort fing Nievenheim an.

Nach Süden zu war die Grenze die ehemalige Tonfabrik. Dort wohnten auch noch ein paar Delrather. Rechts der Eisenbahnlinie war noch ein Häuserblock, der aber zu Nievenheim gehörte, aber näher an Delrath lag. Was solls, nehmen wir sie noch mit nach Delrath. Dann gab es noch den Sportplatz, den 1. Busch (Zerringerbusch) und den 2. Busch, sowie heute noch der Ententeich dazu gehört. Dort wurde der Kies für die Autobahn heraus geholt. In der Nähe der östlichen Autobahnraststätte gab es die Herschlei. Der Name kommt von herschleichen (stammt aus napolionischer Zeit). Dort war das Brutgebiet und der Lebensraum einiger Greifvögel.  Zu erwähnen ist noch der Schienenstrang der Industriebahn, jetzt Kölner Hafenbetriebe, der sich von Westen nach Süden und Osten hinzieht.

Der Osten begrenzt Delrath durch die Bundesautobahn 57. Dahinter, Richtung St. Peter fährt man durch ein altes Rheintal. Früher war der Rhein nicht durch Deiche begrenzt. Durch Hochwasser verlagerte sich daher manchmal das Rheinbett. In Höhe des Gewerbegebietes Siemensstraße stand früher noch ein einzelnes Haus im Feld links der Straße Richtung Zinkhütte (Katharina "Trina" Michels). Auch der Kavittenberg und der frühere Fußballplatz gehörten zu Delrath. Die Siedlung Zinkhütte, der Nackenhof und der Silbersee waren ein Ortsteil von Delrath.

Der Norden begrenzt Delrath an der Elevekumer Straße mit weiten Feldern zwischen Autobahn und Eisenbahn.

 

Geschichte

 

Frühzeit

Verschiedene archäologische Steinzeitfunde (Pfeilspitze, Klingenkratzer zur Fellbearbeitung, Steinaxtklinge)  lassen erste menschliche Spuren schon auf die Zeit um das Jahr 4.000 v. Chr. zurückverfolgen. Ob es hier auch schon eine Ansiedlung gab, lässt sich nicht belegen.

Es wurde eine Lehmentnahmegrube gefunden, die eine Bebauung vermuten läßt. Diese Grube wurde mit Abfällen (Keramik, pflanzliche Abfälle) zu geschüttet.

Auch wurde ein römischer Friedhof in der Nähe des Stüttger Hofes gefunden. Er dürfte zu einer römischen Landvilla gehören.

Mittelalter

Vermutlich ist der Ort Delrath in der Zeit zwischen 900 und 1300 entstanden. Der Ortsname hieß ursprünglich Dahlrath, was so viel wie Talrodung bedeutet. 

Am 7. Februar 1263 werden Marsilius und Amilius von Didenrode in einem Kaufvertrag über 45 Morgen (1 Morgen gleich 25 m mal 100 m) in Ückerath als Zeugen vor dem Nievenheimer Gericht erwähnt. In der Urkunde ist von Joch die Rede, das entspricht einem Tagwerk, was soviel ist wie ein Ochse ein einem Tag bearbeiten kann. Ein Joch entspricht etwas einem Morgen.  Dies ist die erste urkundliche Aufführung des Namens Didenrode (Delrath).

Seit dem 14. Jahrhundert gehörte der Ort zum kurkölnischen Dingstuhl Hülchrath.

Neuzeit

1663 bestand Delrath aus 13 Häusern und Höfen. 1794 besetzten die französischen Truppen das Rheinland. Delrath wurde nun ein Teil der Munizipalität Zons im Kanton Zons. 1798 kam Delrath zur Mairie Nievenheim im Kanton Dormagen im Département de la Roer. 1815 kam Delrath an das Königreich Preußen und 1816 an die Gemeinde und Bürgermeisterei Nievenheim im Kreis Neuß. 1927 wurde die Bürgermeisterei Nievenheim in Amt Nievenheim umbenannt.

Der erste und zweite Weltkrieg ging auch an Delrath nicht spurlos vorbei. Viele junge Männer fielen auf dem Feld. Manche konnte man in Nievenheim auf dem Friedhof begraben. Foto des Kriegerdenkmals mit Gefallenenliste

Seit dem 1. Januar 1975 ist Delrath ein Teil der Stadt Dormagen.[1] 1985 wurde Delrath als Stadtteil anerkannt und seit 1989 wird dies durch eigene Ortsschilder gekennzeichnet. Im südlichen Teil von Delrath entstanden mehrere Wohnblöcke mit günstigen Mietwohnungen, was zu einem deutlichen Anstieg der Einwohnerzahl, aber auch zu sozialen Problemen führte. Seit 1990 ist die Stadt Dormagen bestrebt, die Ortsteile Delrath und Nievenheim zu vereinigen. Daher waren Delraths Bürger gezwungen, ihren neuen Dorfplatz selbst zu finanzieren.

Wirtschaftlich war Delrath landwirtschaftlich durch eine Reihe von Bauernhöhen geprägt. 1911 kam die Zinkhütte als Hauptarbeitgeber und einer eigenen Wohnsiedlung hinzu, die den Ort ganz stark prägte. Mehrere Gewerbegebiete umgeben den Ort heute.

 

Einwohnerentwicklung

Jahr                             Einwohnerzahl

1885                                  276

1950                              1.914

31.12.1993                     3.021

31.12.1999                     3.113

Mai 2006                        3.690

30. Juni 2010                  2.972

2011                              2.949

2012                              2.958

2013                              2.946

30.11.2013                     2.896

 

Statistische Zahlen über Delrath

Gesamtzahl der Einwohner: 2972 (30.6.2013)

davon Frauen: 1485

Einwohner unter 18: 473

davon weiblich: 235

Einwohner über 65: 621

davon weiblich: 345

Ausländer: 231

Prozentzahl an der Bevölkerung: 7,8 %

Haushalte: 1298

Postleitzahl: 41542

Größe: 5,8 Quadratkilometer

Bevölkerung je Quadratkilometer: 511 pro Quadratkilometer

 

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Was wäre ein rheinisches Dorf ohne seinen rheinischen Dialekt, der in Delrath noch stark gepflegt wird. Er ist das Band, daß die Dorfgemeinschaft mit festigt und Erkennungsmerkmal ist.

An Kulturveranstaltungen ist Delrath nicht reich gesegnet. Es finden folgende Veranstaltungen statt:

Konzert des Männergesangvereins "Sangeslust" Delrath, Auftritte des Pfarrcäcilienchores St. Gabriel bei Messen und Sonstigem, Schützenfestumzug, Karnevalsumzug und Karnevalssitzungen.

In Delrath gibt es folgende Vereine:

Große Sehenswürdigkeiten hat Delrath nicht. Es wären als sehenswert zu nennen, der Dorfplatz, die Kirche und einige alte Gebäude, wie der Bahnhof, der Latours- und der Sülzhof, ein Teil des Leckenhofs oder Quirinushofs, der Silbersee, einige Wegekreuze und das Kriegerdenkmal.

 

Religion

Katholische Kirche

Die Delrather mußten immer nach Nievenheim zur Messe gehen. Am 28.10. 1922 wurde die Genehmigung durch den Erzbischof erteilt im Kinosaal der Gaststätte Heinrich Hilgers, danach Gaststätte Witsch, danach Gaststätte Köhler, heute Gaststätte "Zur Schranke", die heilige Messe abzuhalten.

Am 28.4.1926 wurde die Delrather Holzkapelle errichtet. Sie wurde als einstige Wohnbaracke in der Gegend von Krefeld gekauft und umgebaut.

1953 konnte sie durch einen steinernen Neubau ersetzt werden. Dabei kam es beim Bau zu einem tödlichen Unfall. Als eine Verschalung abgenommen werden sollte, kam es zu einem Einsturz, bei dem ein Bauarbeiter tödlich verletzt wurde. Es dauerte eine halbe Stunde bis der Krankenwagen kam. Danach ist der Bauarbeiter verstorben. 

Am 1. Juli 1955 wurde Delrath zur katholischen Rektoratspfarrei erhoben.

Die Pfarrgemeinde St. Gabriel Delrath unterhält auch eine Kleiderstube in der Johannesstr. 77 in Delrath. Dort kann gut erhaltene Kleidung/Reste von Wolle montags von 14.30 - 16.30 Uhr oder in den Öffnungszeiten des Pfarrbüros, Im Grund 10, Delrath, abgeben werden. Das Pfarrbüro ist geöffnet: Dienstag von 10.00 - 11.30 Uhr und Freitag von 16.00 - 18.00 Uhr. Sollte geschlossen sein können die Kleidungsstücke auch vor die Tür gelegt werden. Bitte keine unbrauchbare Kleidung vorbeibringen.

Katholische Kirchengemeinde Delrath

Wirtschaft

Landwirtschaft

Im 13. und 14. Jahrhundert entstanden die landwirtschaftlichen Betriebe Leckenhof, Latourshof, Meiselhöfchen und Sülzhof in Delrath. Auf dem Leckenhof lebte im 17. Jahrhundert der Geschichtsschreiber Martin Henriquez von Strevensdorff. Den Sülzhof erhielt der Münsteraner Baumeister Johann Conrad Schlaun als Lehen. 1766 ließ dieser den Hof nach seinen eigenen Plänen neu errichten. Seit 1991 wird auf diesem eine Apfelplantage errichtet. Ebenfalls werden auf dem gegenüber liegenden Latourshof Äpfel angebaut. Die erste Ernte konnte 1993 eingefahren werden. Viehwirtschaft betreibt in Delrath nur noch ein landwirtschaftlicher Betrieb (Heinrich Hilgers). Im Jahr 1898 wurde der Stüttger Hof erbaut.

Industriebetriebe

Schon recht früh gab es westlich von Delrath Industriebetriebe. Seit 1911 gab es auf der Delrather Heide eine Zinkhütte. Sie erzeugte Hüttenrohzink, Zinkstaub und als Nebenprodukt Schwefelsäure. Sie stellte 1971 den Betrieb ein. Die Gebäude der Zinkhütte und eine angrenzende Siedlung ("Hött") wurden 1973 abgerissen. Heute noch befindet sich im Industriegelände ein größeres Betonwerk.

 
 
Zinkhütte Delrath (Berzelius Metallhütten GmbH)
 

Die Post befand sich früher auf der Industriestraße im Lebensmittelgeschäft Loibl. Heute wird sie als Postagentur im Geschäft Tintenkleks geführt.

Zu erwähnen ist die Firma Gebr. Schillings am Bahnhof in Delrath und mit ihrem großen Silogebäude an der Tonfabrik.

Die Nievenheimer Steinzeugwerke GmbH Heinrich Nagelschmidt stellte Tonprodukte her. Von der Bevölkerung liebevoll "Tönche" genannt, existiert nicht mehr.

Nach folger war die Firma Schrott-Schaack, die Autowracks verwertete. Nach ihrem Schließen hinterließ sie Umweltschäden.

Neben der Tonfabrik befand sich die Nievenheimer Industrieziegelei. Sie stellte, wie der Name schon sagt Ziegel her. Sie war weit sichtbar durch einen hohen Schornstein. Auch diesen Betrieb gibt es nicht mehr.

Anstelle dessen kam die Firma Strasser mit einem Autotransportbetrieb.

Hinter der Autobahnbrücke Richtung Zinkhütte liegt rechts die Firma Dyckerhoff & Widmann. Sie stellt Fertigteile für Wohnungen und Industriebauten und Betonrohre her. Im Werk gibt es die größte Rohrherstellungsanlage Europas.

Es war auch überlegt worden einen Rhein-Maas-Kanal zu bauen. Diesen Plan gab es schon seit Napoleon. Verwirklicht wurde es nur zum Teil im Nordkanal, beginnend im Grimlinghauser Yachthafen. Der Kanal sollte von der Maas bei Born beginnen und am Silbersee in den Rhein münden. Doch daraus wurde auch nichts.

Das VAW Rheinwerk liegt nur zum Teil auf Delrather Gebiet und stellt Aluminiumbarren her. Es grenzt an den Silbersee.

Die Firma Alu Norf liegt schon auf Neusser Stadtgebiet und soll der Vollständigkeit halber erwähnt werden. Die Firma stellt Aluminiumprodukte der verschiedensten Art her, wie Aluminiumwalzblecke (Coils), Faltbleche für Industriehallen usw. Im Werk befindet sich die größte Aluminiumwalzstraße Europas.

Verkehr

Schienenverkehr

  • 1855 wurde die Eisenbahnlinie Köln-Neuss eröffnet. Der Bahnhof Nievenheim, welcher sich im Orte Delrath befindet, wurde im Jahre 1895 seiner Bestimmung übergeben. Heute hält hier eine S-Bahn, der Linie S 11(Düsseldorf Flughafen Terminal –) Düsseldorf – Neuss – Dormagen – Köln – Bergisch Gladbach.

    Hinter dem Bahnhof, Richtung Süden, befinden sich Güterzuggleise. Dort werden Güterzüge abgestellt, die von der Verkehrsgesellschaft Dormagen mbH (VGH) zu den Betrieben der einzelnen Gewerbegebiete zugestellt werden.

    Das Bahnhofgebäude wurde mehrfach umgebaut und wird heute privatwirtschaftlich genutzt (Gaststätte, Vereinsraum, Wohnungen)

    Die Fahrpläne können auf der Seite "Allerlei aus Delrath" eingesehen werden.
     
  • Seit 1911 gibt es die Industriebahn Nievenheim-Zons.  Diese heißt heute: Verkerhrsgesellschaft Dormagen mbH (VGD). Sie erledigt den Zubringerverkehr von der Deutschen Bahn AG zu verschiedenen Gewerbegebieten und den Werksverkehr in den Aluminiumwerken. Diese hat in Delrath ihren Sitz und wurde von der Häfen und Güterverkehr Köln AG, Köln gekauft. Siehe weitere Bilder zur Eisenbahn der Verkehrsgesellschaft Dormagen mbH (VGD).

Busverkehr

Durch Delrath fährt der Stadtbus der Dormagener Verkehrsgesellschaft mit den Linien 880, 884, 885, 886/887 NE2 und WE2. Im Ort gibt es zwei Haltestellen ( Bahnhof und Kirche).

Die Fahrpläne können auf der Seite "Allerlei aus Delrath" eingesehen werden.

Straßen

In der Nähe des örtlichen Dorfrandes führt die Autobahn A 57 vorbei. Hinter dem Sportplatz, Zerringer Busch und Ententeich befindet sich rechts und links der Autobahn je eine Raststätte.

In den benachbarten Orten Norf und Horrem befindet sich ein Autobahnanschluss an die Bundesautobahn 57.

Die Bundesstraße 9 ist im benachbarten St. Peter und über die Straße am ehemaligen Zinkhüttengelände zu erreichen.

Bildung

Einzelnachweise

  1. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X.

Literatur

  • Burkhard Schleif: Wo lit Delrod? Herausgegeben im Auftrag des Bürgermeisters der Stadt Dormagen, von Heinz A. Pankalla. Dormagen 1995.
  • Herausgeber: St. Hubertus Bürgerschützenverein Delrath 1926 e. V.: Wir feiern Schützenfest ... , Dormagen 2001.
  • Herausgeber: Verein "750 Jahre Delrath e. V.": 750 Jahre Delrath 2013.
  • Blank, Günter: Platt kalle, en Delrod un öm Delrod eröm. (ein Mundartwörterbuch).
  • Zeitgeschichte des Dorfes Delrath in fünf Bänden:
  • Blank, Günter: Daten und Bilder - Delrath von 1263 - 1930,
  • Blank, Günter: Delrather Zeitreise 1931 - 1960,
  • Blank, Günter: Delrather Zeitreise 1961 - 1975,
  • Blank, Günter: Delrather Zeitreise 1976 - 1990,
  • Blank, Günter: Delrather Zeitreise 1991 - 2006.
  • Blank, Günter: Delrather Liederheft (Sammlung Delrather Heimat-, Vereins-, Schützen- und Trinklieder.
  • Blank, Günter und andere: Chronik des SSV Delrath, Delrath 2002.

Weblinks

 

 


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